In der Reihe tell.net ist am Freitag, 7. Mai um 19.30 Uhr Florian Cramer, einer der bekanntesten und wichtigsten Theoretiker der Netzkunst, in der Stadtbücherei im Wilhelmspalais zu Gast.
Als selbst praktizierender „Neoist“ ist seine Präsentation über den „Neoismus“ eine nüchterne Betrachtung einer in den 70er- und 80er-Jahren entstandenen subkulturell-aktionistischen Netzwerk-Strömung.
Eintrittskarten für vier, ermäßigt drei Euro können unter Telefon 216-5788 oder -5726 sowie per E-Mail unter stadtbuecherei.veranstaltungen@stuttgart.de reserviert werden.
Neoismus ist ein parodistischer „-ismus“. Es ist der Name eines subkulturellen Netzwerks künstlerischer Aktionisten und Medienexperimentatoren und steht, in allgemeinerem Sinne, auch für eine praktische Underground-Philosophie. Neoismus arbeitet mit kollektiven Pseudonymen und Identitäten, Streichen und Irritationen, Paradoxen, Plagiaten und Fälschungen. Er hat zahlreiche widersprüchliche Definitionen seiner selbst geprägt, um sich jeder Einordnung und Historisierung zu entziehen.
Der Neoismus ist von allen in den 70er- und 80er-Jahren entstandenen subkulturell-aktionistischen Strömungen eine der obskursten, unseriösesten und doch beharrlichsten geblieben. Heute, da neben der Internetsubkultur auch Interventionen und analoge Low Tech-Medien wieder große Aufmerksamkeit erfahren, wirkt aber auch der frühe Neoismus der „Apartment Festivals“ erstaunlich frisch.
Florian Cramer lehrt am Piet Zwart Institute in Rotterdam. Er ist international einer der bekanntesten und wichtigsten Theoretiker der Netzkunst und selbst praktizierender Neoist. Seine Präsentation erhebt weder den Anspruch einer objektiveren Geschichte des Neoismus, noch einer neoistischen Aktion, sondern ist nüchterne Betrachtung eines teilnehmenden, älter gewordenen Beobachters aus Anlass der bei OpenMute (London) neu erschienenen Neoismus-Anthologie „A Neoist Research Project“.