Im vergangenen Jahr wurde ein Realisierungswettbewerb durchgeführt, bei dem die beiden Büros Büro Wandel Höfer Lorch und Hirsch Architekten aus Saarbrücken sowie das Büro Lederer, Ragnarsdóttir, Oei in Zusammenarbeit mit Jangled Nerves aus Stuttgart ausgezeichnet wurden. Die beiden Preisträger waren jedoch aufgefordert, ihre Entwürfe zu überarbeiten und eine Kostenaufstellung zu erstellen. Am vergangenen Freitag tagte die Jury.
Das Ergebnis der Jury wurde heute in einer Pressekonferenz von Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster und der Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport, Dr. Susanne Eisenmann, erläutert. Die Jury empfiehlt einstimmig, die weitere Bearbeitung auf der Grundlage des Entwurfs Lederer, Ragnarsdóttir, Oei, Stuttgart, und Jangled Nerves, Stuttgart, durchzuführen. Ausschlaggebend für dieses Votum sind die überzeugenden stadträumlichen und architektonischen Aussagen zu der gestellten Thematik für diesen speziellen Ort.
„Das architektonische Konzept des Siegerbüros hat mich überzeugt“, so Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster. „Es schafft in dem historisch vorgegebenen Bau neue flexible Räume mit spannenden Sichtachsen in die Stadt. Die Außenanlagen werden als Freiflächen mit einbezogen und erweitern damit das Angebot des Stadtlabors für Kinder, Jugendliche und Schulen. Im Zentrum des Ausstellungskonzepts steht ein innovatives Stadtmodell, das über mehrere Stockwerke erlebbar ist. Ansonsten muss das Ausstellungskonzept grundlegend überarbeitet werden. Wir wollen kein ‚Computer’-Museum, da die Jugendlichen heute digitale Medien zu Hause haben, sondern ein Museum mit Geschichte zum Anfassen.“
Der Preisträger hatte am vergangenen Freitag in seiner Projektpräsentation bestätigt, dass die Realisierung im Kostenrahmen von 24 Millionen Euro Baukosten, 5 Millionen Euro Ausstellungskosten und 1 Million Euro Möblierung durchgeführt werden kann.
Arbeiten der Preisträgerbüros
Die Arbeiten der Preisträgerbüros, die Architekten Lederer, Ragnarsdóttir, Oei mit den Ausstellungsgestaltern Jangled Nerves, Stuttgart und die Architekten Wandel, Höfer, Lorch und Hirsch, Saarbrücken unterscheiden sich grundsätzlich in der Angehensweise der Lösung der Aufgabenstellung.
Während das Stuttgarter Büro das Gebäude im Innern vollständig entkernt, um es auf Salucci’s Raumkonzept zurückzuführen, planen die Saarbrücker Architekten das neue Stadtmuseum weitgehend in der vorhandenen Bausubstanz der sechziger Jahre.
Die Konzeption von Lederer, Ragnarsdóttir, Oei und Jangled Nerves setzt sich mit den Grundprinzipien des ursprünglichen, im Zweiten Weltkrieg bis auf die Außenwände zerstörten Gebäudes des italienischen Baumeisters Salucci auseinander. Ohne in Rekonstruktion zu verfallen, entwickeln sie auf der Grundlage des originalen Raumgefüges ein dennoch bewusst neuzeitliches Museum. Die historische Fassade bleibt erhalten. Die Außenanlagen des Wilhelmspalais zur Urbanstraße werden als Museumsgarten genutzt. In der Gestaltung der ständigen Ausstellung verbinden Lederer, Ragnarsdóttir, Oei und Jangled Nerves eine Chronologie zur Stadtgeschichte mit Wandvitrinen und freistehenden Themeninseln, die Objekte, Medien und Grafik verbinden. Helles Holz prägt die Ausstellungsgestaltung. Ein Stadtmodell empfängt die Besucher im Foyer.
Das konkurrierende Büro Wandel, Höfer, Lorch und Hirsch aus Saarbrücken erhält neben der historischen Fassade und den Außenanlagen weitgehend die innere Baukonstruktion aus den sechziger Jahren. Wesentlicher Bestandteil ist die Veränderung der zentralen Erschließung des Museums, um die Sichtachse zur Stadt und zum Kunstmuseum wieder herzustellen. Die Funktionen des neuen Stadtmuseums werden in die Bausubstanz integriert, so soll z. B. der heutige Vortragssaal der Stadtbibliothek auch im Stadtmuseum als Vortragssaal genutzt werden.
Wandel, Höfer, Lorch und Hirsch schlagen mit Bezug auf die lokale Tradition des Leichtbaus im Bauwesen (z. B. Frei Otto) eine durchgehende textile Struktur als Grundlage der Ausstellungsgestaltung vor, die Objekte, Medien und Grafik verbindet. Im Zentrum der Ausstellung steht ein Stadtmodell. Das Gestaltungskonzept bildet einen einheitlichen Rahmen, der für die unterschiedlichen Nutzungen im Museum flexibel interpretiert werden kann.
Stadtmuseum Stuttgart
Das Stadtmuseum soll die Geschichte der Landeshauptstadt Stuttgart erlebbar machen, die städtische Identität stärken und ein Forum für die Diskussion aktueller und zukünftiger städtischer Fragen bieten. Im Wilhelmspalais stehen Programmflächen von 3400 Quadratmeter unter anderen mit Vortragssaal, Stadtlabor für Kinder und Schulklassen sowie eine Ausstellungsfläche von rund 2000 Quadratmetern zur Verfügung. Für die Erarbeitung der Museumskonzeption beschäftigt sich seit 2007 ein Planungsstab unter der Leitung von Dr. Anja Dauschek.
Zu den zentralen Aufgaben dieses Planungsstabs gehören die konzeptionelle Entwicklung des Museums im Wilhelmspalais, die Erarbeitung einer Sammlungskonzeption unter Einbeziehung der bereits vorhandenen Sammlung sowie die Planung von Umbau und Modernisierung des Wilhelmpalais für die museale Nutzung. Dies geschieht in enger Abstimmung mit dem Beirat Stadtmuseum, dem unter anderem Stadträte und Museumsexperten angehören.


